COVID 19: Mögliche Auswir­kun­gen auf die Seeversicherung

Seekasko-/ Ertrags­aus­fall- und Kriegsversicherung

Covid-19 Seeversicherung
Dieter Schwampe

AUTOR

Prof. Dr. Dieter Schwampe
Partner, Hamburg
d.schwampe@asd-law.com

Maximilian Guth

AUTOR

Dr. Maximi­li­an Guth, LL.M. (Southamp­ton)
Partner, Hamburg
m.guth@asd-law.com

Mögliche Folgen von COVID-19

COVID-19 hat weltweit dazu geführt, dass Gegen­maß­nah­men einge­lei­tet wurden, die sich natürlich auch auf die Schiff­fahrt auswirken.

So ist zu befürch­ten, dass sich Klasse-/ Wartungs­ar­bei­ten und/oder Repara­tu­ren erheblich verzögern und zwar nicht nur, weil es an Personal mangelt und/oder Experten nicht mehr anreisen können, sondern auch aufgrund von Beschaf­fungs­pro­ble­men im Hinblick auf Ersatz­tei­le. Gleich­zei­tig ist zu befürch­ten, dass die Kosten für die Ersatz­tei­le jeden­falls während der Dauer der Maßnahmen ansteigen, da die Nachfrage das Angebot übersteigt. Im schlimms­ten Fall werden die Arbeiten so lange verzögert, dass dies zu gegebe­nen­falls weiteren Schäden an dem Schiff führt.

Auswir­kun­gen auf den Versicherungsschutz

Das führt aus Seekasko‑, Ertrags­aus­fall- und Kriegs­ri­si­ko­ver­si­che­rungs­sicht insbe­son­de­re zu folgenden Fragen:

Besteht Versi­che­rungs­schutz für

  • die erhöhten Kosten der Klasse-/ Wartungs­ar­bei­ten und/ oder Reparaturen?
  • Sachschä­den verur­sacht durch verzö­ger­te Klasse-/ Wartungs­ar­bei­ten und/ oder Reparaturen?
  • den Ertrags­aus­fall für die Dauer der verzö­ger­ten Reparatur?

Handelt es sich um eine Havarie-Grosse Situation, wenn sich der Kapitän entschei­det, die Reise zu unter­bre­chen und einen Nothafen anzulau­fen, weil auf dem Schiff eine oder mehrere COVID-19 Erkran­kun­gen bei Besat­zungs­mit­glie­dern ausbrechen?

Greifen Ausschlüs­se, wie beispiels­wei­se der Ausschluss „Verfü­gun­gen von hoher Hand“ und wenn ja, besteht Deckung unter einer Kriegsversicherung?

 Ist ein Schiff seeun­tüch­tig, wenn keine ausrei­chen­den Schutz­maß­nah­men und Arbeitsanweisungen/ Anpas­sun­gen im ISM-System im Zusam­men­hang mit COVID-19 von Seiten der Versi­che­rungs­neh­me­rin und/oder Ihrer Reprä­sen­tan­ten ergriffen wurden?

 Ist es eine Verlet­zung der Schadens­min­de­rungs­ob­lie­gen­heit, wenn der Versi­che­rungs­neh­mer und/oder dessen Reprä­sen­tant für eine Reparatur eines gedeckten Kasko­scha­dens eine Werft auswählt, bei der weiter­ge­hen­de Verzö­ge­run­gen aufgrund von COVID-19 zu erwarten sind?

Die aufge­wor­fe­nen Fragen lassen sich nicht allge­mein­gül­tig beant­wor­ten. Es bedarf hier vielmehr stets einer einzel­fall­be­zo­ge­nen Prüfung des jewei­li­gen Versi­che­rungs­ver­tra­ges und der konkreten Situation.

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