Covid 19 — Licht zwischen Schatten

Überden­ken von Arbeitsprozessen

AUTOR

Lars Kortlän­der, LL.M. (Brisbane)
Senior Associate, Hamburg
l.kortlaender@asd-law.com

Lars Kortländer

Covid – 19 hat die Bewäl­ti­gung der täglichen Arbeits­ab­läu­fe in vielen Branchen vor Heraus­for­de­run­gen gestellt. Gleich­zei­tig wurde aber auch die Chance eröffnet, über Arbeits­pro­zes­se nachzu­den­ken und diese zu verein­fa­chen. Auch bei der Ein‑, Aus- und Umflag­gung, eine Angele­gen­heit bei der jährlich eine Vielzahl von Mandanten unsere Unter­stüt­zung in Anspruch nimmt, mussten plötzlich neue Wege gefunden werden.

Positiv ist dabei zu bemerken, dass Behörden sich flexibel in der Unter­stüt­zung der Schiffs­eig­ner zeigen und einige Verfahren erheb­li­che Verein­fa­chun­gen erfahren haben. Diese sind zum Großteil durch die Digita­li­sie­rung der Abläufe möglich. Wo vor dem Ausbruch der Pandemie noch mit Papier und persön­li­chem Kontakt vor Ort gearbei­tet wurde, werden jetzt techni­sche Möglich­kei­ten in Anspruch genommen.

Nutzung digitaler Möglich­kei­ten zur Verrin­ge­rung des Infektionsrisikos

So hat beispiels­wei­se das Schiffs­re­gis­ter von Liberia bereits kurz nach Ausbruch der Pandemie am 19.03.2020 als erster Flaggen­staat elektro­ni­sche Closings und elektro­ni­sche Proto­kol­lie­run­gen von Hypothe­ken­auf­nah­men angekün­digt. Dies stellt eine prakti­sche Alter­na­ti­ve zu einem Prozess dar, der bisher nur persön­lich oder in Papier­form durch­ge­führt worden konnte.

In Seoul, Athen, und London wurden diese Maßnahmen bereits von Schiffs­eig­nern begrüßt, da so persön­li­cher Kontakt minimiert werden kann.

Eine weitere Verein­fa­chung, die durch Covid – 19 ausgelöst wurde, betrifft das Beglau­bi­gungs­ver­fah­ren. Wo vor Bekannt­wer­den der Pandemie noch der Weg zum Notar angetre­ten werden musste, wird auf diesen Schritt nun verzich­tet. Beispiels­wei­se besteht nun im Rahmen der Beantra­gung einer Schiffs­lö­schung aus dem Schiffs­re­gis­ter von Antigua & Barbuda bezie­hungs­wei­se Liberia die Möglich­keit, die „Bill of Sale‘‘ direkt vor dem eigenen Compu­ter­bild­schirm unter Zuschal­tung des Regis­ter­ge­richts zu zeichnen. Die notari­el­le Beglau­bi­gung entfällt so.

Auch die jährliche Sicher­heits­in­spek­ti­on (ASI) wird vom Liberi­schen Schiffs­re­gis­ter nun seit Anfang April 2020 aus der Ferne und mit techni­scher Unter­stüt­zung durch­ge­führt ohne dass das Schiff betreten wird.

Als weiteres Schiffs­re­gis­ter hat Antigua & Barbuda den Dokumen­ten­ein­rei­chungs­pro­zess erheblich (jeden­falls vorüber­ge­hend) verein­facht. Wie wir durch unseren engen Kontakt zu diesem, in Oldenburg ansäs­si­gen, Schiffs­re­gis­ter geklärt haben, können einige Dokumente, die eigent­lich notariell zu beurkun­den wären und ggf. sogar mit einer Überbe­glau­bi­gung versehen werden müssten, derzeit per Video­schal­te durch den Registrar „beglau­bigt“ werden.

Dieser Entwick­lung hat sich überdies das Deutsche Bundesamt für Seeschiff­fahrt und Hydro­gra­phie angeschlos­sen. Es stellt Bescheide, sei es über Gebühren oder über Ausflag­gun­gen, nunmehr digital aus und verzich­tet auf die Variante aus Papier.

Ausblick

Es zeigt sich, dass Covid – 19 neben vielen Schat­ten­sei­ten auch positive Aspekte mit sich bringt. Eine Weiter­ent­wick­lung dieser Ansätze, auch nachdem Covid – 19 bekämpft sein wird, wäre begrü­ßens­wert und hat das Potential Abläufe unkom­pli­zier­ter und damit schneller und kosten­güns­ti­ger zu machen — sowohl für die Schiffs­eig­ner als auch die Berater.

Bei weiteren Fragen zu diesem Thema kontak­tie­ren Sie uns gerne. Wir schöpfen aus jahre­lan­ger, enger Zusam­men­ar­beit mit den Mitar­bei­te­rin­nen und Mitar­bei­tern der Flaggen­re­gis­ter der verschie­de­nen Staaten sowie der deutschen Behörden und Gerichte und stehen Ihnen als zuver­läs­si­ger Partner zur Seite.

Und schließ­lich ein kleiner Ausblick, was wir bei ASD mit unser Service­ge­sell­schaft DPC Consult GmbH planen, um bei Schiffsan- und ‑verkäufen neben der bereits angebo­te­nen Eigen­schaft als Deposit Holder bzw. Escrow Agent aufzu­tre­ten, den Prozess sicherer, effizi­en­ter, schneller und kosten­güns­ti­ger zu gestalten, insbe­son­de­re wenn ein persön­li­ches Treffen zum Austausch von Dokumen­ten nicht möglich ist: Wir werden zukünftig anbieten, Dokumente treuhän­de­risch zu halten, ggf. diese als Original zu bestä­ti­gen und im Anschluss nach Freigabe auch weiterzuleiten.

In Zusam­men­ar­beit mit Mareike Heeren.

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