Das Festkom­men des MS BORE BANK nach Ruderausfall

Sicher­heits­emp­feh­lun­gen der Bundes­stel­le für Seeunfalluntersuchung

Ruderausfall Bore Bank

AUTOR

Dr. Felix Goebel, LL.M. (Oslo)
Associate, Hamburg
f.goebel@asd-law.com

Felix Göbel

Mit der Rubrik „Sicher­heits­emp­feh­lun­gen der Bundes­stel­le für Seeun­fall­un­ter­su­chung“ infor­miert der ASD BLOG die maritime Wirtschaft kompakt über aktuelle Unter­su­chungs­er­geb­nis­se und Sicher­heits­emp­feh­lun­gen der Bundes­stel­le für Seeun­fall­un­ter­su­chung zu schweren Seeun­fäl­len. Die nach dem Seesi­cher­heits-Unter­su­chungs-Gesetz durch­ge­führ­ten Seeun­fall­un­ter­su­chun­gen sollen die Sicher­heit der Seefahrt verbes­sern und künftige Seeun­fäl­le vermeiden.

Unter­su­chungs­be­richt 32/19 der Bundes­stel­le für Seeun­fall­un­ter­su­chung vom 16. Januar 2020: Schwerer Seeunfall — Festkom­men des MS BORE BANK nach Ruder­aus­fall auf Höhe Tonne 18 des Seekanals Rostock am 17. Januar 2019

Sachver­halt: Hinter­grund des Seeunfalls

Das unter finni­scher Flagge fahrende Ro/Ro-Schiff BORE BANK befand sich am 17. Januar 2019 auf der Reise von Kotka (Finnland) nach Rostock als es bei der Passage des Seekanals von Rostock einen Ruder­aus­fall erlitt. Der Lotse stellte fest, dass er das Schiff nicht mehr steuern konnte. Der 3. Offizier übernahm das Handruder. Nachdem das Ruder noch immer nicht reagierte, ergriff der Kapitän den Joystick, mit dem alle Ruder­an­wei­sun­gen überschrie­ben werden und legte das Ruder auf Hart Backbord.

Die BORE BANK drehte sich nach Backbord. Da sich der östliche Wellen­bre­cher des Seekanals bereits sehr nah vor dem Bug befand, entschie­den der Kapitän und Lotse die Drehung nicht zu unter­bre­chen. Das Vorschiff lief daraufhin auf Grund. Die Besatzung konnte keine Schäden feststel­len. Die Haupt­ma­schi­ne und Ruder­an­la­ge arbei­te­ten weiterhin fehler­frei. Mit Unter­stüt­zung der Schlepper konnte die BORE BANK freige­schleppt werden.

Schadens­ur­sa­che: Ruderausfall

Unfall­ur­säch­lich war der Ausfall der Ruder­an­la­ge. Ein Grund oder Details zu dem Ausfall konnten von der Bundestel­le für Seeun­fall­un­ter­su­chung nicht festge­stellt werden.

Die Bundes­stel­le für Seeun­fall­un­ter­su­chung empfiehlt:

Moderne Ruder­an­la­gen sollten ein eigenes Fehlerlog abspei­chern, damit Fehler zukünftig besser ausge­wer­tet und vermieden werden können.

Das Bundes­mi­nis­te­ri­um für Verkehr und digitale Infra­struk­tur, sollte sich bei der Inter­na­tio­nal Maritime Organi­sa­ti­on (IMO) dafür einzu­set­zen, SOLAS durch die Vorgabe einer internen Fehler­auf­zeich­nung in Ruder­an­la­gen zu ergänzen, um durch deren Auswer­tung zukünf­ti­ge Ruder­aus­fäl­le zu minimie­ren und so die Sicher­heit auf See zu erhöhen.

Den Reede­rei­en dafür zu sorgen, das Ablöse­be­sat­zun­gen ausrei­chend vertraut gemacht werden mit der Technik des Schiffes, welches sie überneh­men sollen. Dazu gehören u.a. Fortbil­dun­gen und Schulun­gen als auch eine umfas­sen­de Übergabe an Bord durch die bisherige Besatzung

Rechtlich: aktueller Stand der Technik?

Ein Ruder­scha­den kann in vielfäl­ti­ger Ausge­stal­tung deutschen Zivil­ge­rich­ten zur Entschei­dung vorgelegt werden. Zivil­ge­rich­te prüfen, ob durch die fehler­haf­te Ruder­an­la­ge Sorgfalts­pflich­ten verletzt wurden. Hierbei prüfen die Gerichte grund­sätz­lich, ob die Ruder­an­la­ge noch dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Den aktuellen Stand der Technik geben meist die Klassi­fi­ka­ti­ons­ge­sell­schaf­ten mit den Klassi­fi­ka­ti­ons­vor­schrif­ten vor.

So hat der Bundes­ge­richts­hof bereits im Jahr 1989 entschie­den (BGH, Urteil vom 24. April 1989, II ZR 208/88), dass dem Schiffs­eig­ner die konstruk­tiv fehler­haf­te Ausge­stal­tung einer elektrisch-hydrau­li­schen Ruder­an­la­ge (hier: unzurei­chen­der Schutz eines Strom­ver­tei­ler­kas­tens gegen überkom­men­des Wasser infolge Wellen­schlags) grund­sätz­lich nicht zum Vorwurf gemacht werden, wenn die Anlage von einem Fachun­ter­neh­men geliefert und eingebaut sowie von der Schiffs­un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on (und/oder einer anerkann­ten Klassi­fi­ka­ti­ons­ge­sell­schaft) geprüft und nicht beanstan­det worden ist.

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